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Zahnerkrankungen bei Hunden und Katzen

Viele Hunde, Katzen und kleine Nager leiden an Zahnerkrankungen. Bei Hunden und Katzen gehören sie ab einem Alter von ca. 6 - 8 Jahren zu den besonders häufigen Kleintiererkrankungen. Oft sind sich Tierhalter nicht bewusst, dass Zahnerkrankungen bei ihren Tieren sehr schmerzhaft sein können.

Zahnerkrankungen

Diagnose

Für eine exakte Diagnose und Behandlung sind bei Hunden, Katzen und kleinen Nagern Röntgenaufnahmen der Zähne in vielen Fällen genauso wichtig wie bei Zahnerkrankungen des Menschen. Ohne entsprechend gute Röntgenaufnahmen sind die oft hochgradigen Schädigungen im Zahnwurzelbereich nicht zu erkennen. Unsere Klinik verfügt über eine hochmoderne Zahnröntgeneinrichtung, die eine sichere Diagnose gewährleistet.

Zahnröntgen und tierärztliche Zahnbehandlungen bei Tieren erfordern eine Narkose. Der behandelnde Arzt wird Sie darüber aufklären.

Zahnbelag

Zahnbelag, auch Plaque genannt, ist ein gelblicher Überzug über die Zahnoberfläche, der durch den täglichen Kontakt der Zähne mit Nahrungsmitteln entsteht. Dieser ist im Gegensatz zum Zahnstein durch regelmäßiges Zähneputzen zu entfernen. Auch Kauknochen und spezielle Futtermittel kann die Belagbildung reduzieren.

Zahnstein
Zahnstein entsteht durch die Mineralisierung des Zahnbelags. Aufgrund des höheren pH-Wertes des Fleischfresserspeichels kommt Zahnstein dort häufiger vor als beim Menschen. Durch die raue Oberfläche des Zahnsteins wird die Anheftung von zusätzlichem Zahnbelag begünstigt. Durch Zahnsteinauflagerungen kann es zur Schädigung des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates kommen, in dessen Folge der Zahn ausfallen kann. Außerdem können die auf dem Zahnstein anheftenden Bakterien in den gesamten Körper abgeschwemmt werden und dort zu schweren Infektionen z.B. der Nieren oder der Herzklappen führen. Dem Besitzer fällt der Zahnstein häufig erst durch den schlechten Geruch auf. Zahnstein lässt sich nicht durch Zähneputzen oder spezielle Futtermittel entfernen. Hier hilft nur eine professionelle Zahnreinigung.
Zahnfraktur
Durch äußere Krafteinwirkung oder Brüchigkeit der Zahnsubstanz kann es zum Abbrechen eines Zahnstückes bzw. des ganzen Zahnes kommen. Ist der Wurzelkanal eröffnet, führt dies zu massiven Schmerzen und Infektionen der Wurzel. Eine Behandlung der Fraktur und somit Schutz der verbleibenden Zahnsubstanz sollte jedoch auch erfolgen, wenn der Wurzelkanal nicht eröffnet ist. Kronen, Überkappungen und Wurzelbehandlung stellen geeignete Behandlungsmöglichkeiten dar.
Wurzelspitzenabszess
Entsteht durch bakterielle Infektion der Zahnwurzel. Wird nur sichtbar, wenn Abszessinhalt (Eiter) den Kieferknochen auftreibt und zu einer Schwellung im Gesicht des Tieres führt. Oft ist ein Abszess der Zahnwurzel von außen nicht sichtbar. Zur diagnostischen Absicherung muss eine Röntgenuntersuchung des Kiefers durchgeführt werden oder alternativ dazu eine CT-Untersuchung, die in diagnostischen Zweifelsfällen noch mehr Aussagekraft hat. Die Behandlung besteht aus einer Wurzelbehandlung bzw. Entfernung des Zahnes.
Karies

Der hohe pH-Wert des Fleischfresser-Speichels schützt vor der Entwicklung einer Karies. Damit Karies entstehen kann, ist eine Demineralisation des Schmelzes notwendig. Diese findet nur statt, wenn der pH-Wert unter 5,5 sinkt. Der pH-Wert des Fleischfresser-Speichels liegt zwischen 7 und 8. Er fällt durch Nahrungsaufnahme nicht unter 6,5.

Jedoch kann es auch bei Hund und Katze durch angeborene, erworbene bzw. vererbte Schmelzdefekte zum Kariesbefall kommen.

Karies behandelt man durch vollständige Entfernung der kariösen Substanz und einer sich daran anschließenden Zahnfüllung. Dem sollte auf jeden Fall eine Röntgenuntersuchung vorausgehen. Als Prophylaxemaßnahme empfiehlt sich die Zahnversiegelung.

Persistierende Milchzähne

Diese treten vor allem bei kleinen Hunderassen auf. Normalerweise werden die Milchzähne im Alter von 4 bis 7 Monaten durch die bleibenden Zähne ersetzt. Geschieht dies nicht, gibt es den betreffenden Zahn im Gebiss als doppelte Ausgabe. Dies führt zu Zahnfehlstellungen und Entzündungen durch Ansammlung von Futterresten zwischen den doppelt angelegten Zähnen. Die nicht ausgefallenen Milchzähne müssen so früh wie möglich gezogen werden.

Zahnfleischentzündungen bei Hund und Katze

Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist durch Rötung, Schwellung und eventuell Blutungen gekennzeichnet. Begünstigt wird eine solche Entzündung durch Zahnsteinauflagerungen. Sie führt zu einer Lockerung des Zahnhalteapparates und kann dadurch zum Zahnverlust führen. Zahnfleischentzündungen sollten durch eine professionelle Zahnreinigung und Anwendung einer antibakteriellen Spülung behandelt werden. Handelt es sich um eine hochgradige Entzündung, müssen Antibiotika eingesetzt werden.

FORL

Die FORL (Feline Odontoclastic Resorption Leasons), auch als TR/FORL bekannt, ist eine Erkrankung bei Katzen. Sie geht mit einer Auflösung der Zahnhartsubstanz besonders im Wurzelbereich einher. Die Erkrankung ist äußerlich meistens nicht sichtbar, führt aber oft zu sehr starken Schmerzen, Appetitlosigkeit und mäßiger bis stärkerer Beeinflussung des Allgemeinbefindens.

Auch Entzündungen der Maulschleimhaut, wie sie bei Katzen nicht selten vorkommen und oft virusbedingt sind, können sehr schmerzhaft sein.

Zahnbehandlung

Voruntersuchung

Vor einer Zahnsanierung sollte immer eine gründliche Voruntersuchung stehen. Diese beinhaltet neben der Untersuchung der Zähne und der Maulhöhle auch eine Untersuchung auf Narkosefähigkeit des Tieres. Dazu wird eine allgemeine Untersuchung und bei älteren Tieren eine Untersuchung des Herzens bzw. eine Blutuntersuchung durchgeführt.

Zu diesen Voruntersuchungen sollte ein separater Termin vereinbart werden.

Am Tag des Eingriffes

Vor einer Narkose sollte der Patient nüchtern sein, um das Narkoserisiko so gering wie möglich zu halten. Der Patient sollte 12 Stunden vor dem Eingriff nichts essen. Wasser ist erlaubt, um das Austrocknen des Körpers zu verhindern und den Kreislauf zu stabilisieren.

Unmittelbar vor der Narkose wird das Tier noch einmal auf seine Narkosefähigkeit untersucht. Der Tierarzt wird Sie dann auch noch einmal ausführlich über das Narkoserisiko informieren.

Für ausführliche Informationen über die Narkosevorbereitungen und die Narkose selbst lesen Sie bitte den entsprechenden Abschnitt im Kapitel Chirurgie.

Zahnsteinentfernung

Der Zahnstein wird mittels eines Ultraschallgerätes, wie sie es auch aus der Humanmedizin kennen, entfernt. Für feinere Arbeiten und Reinigung der Zahntaschen werden Handinstrumente verwendet. Da das Tier dabei ruhig liegen muss und es das Ultraschallgeräusch wach nicht tolerieren würde, muss eine Narkose gemacht werden.

Die Zahnsteinentfernung ist Teil der professionellen Zahnreinigung.

Zahnpolitur

Einer Zahnsteinentfernung sollte sich immer eine Politur des Zahnschmelzes anschließen, um die durch Hand- und Ultraschallinstrumente verursachte Aufrauung wieder einzuebnen. Diese Aufrauungen würden neuem Zahnbelag günstigere Anheftungsmöglichkeiten bieten.

Zahnversiegelung

Die Zahnversiegelung erfolgt nach der Politur. Als Versiegelungsmaterial wird ein spezielles Wachs verwendet, welches nach der Politur auf den Zahn aufgetragen wird. Dadurch kann die Bildung von Plaque hinausgezögert werden. Der Tierbesitzer sollte das Versiegelungswachs auch zu Hause nach dem Zähneputzen anwenden, um eine länger andauernde Plaque-Prophylaxe zu erzielen.

Entfernung eines Zahnes

Bei der Entfernung (Extraktion) eines Zahnes muss man zwischen ein- und mehrwurzligen Zähnen unterscheiden. Die Schneide- und Eckzähne der Fleischfresser sind in der Regel einwurzlig, die Backenzähne haben zwei oder sogar drei Wurzeln. Da bei den mehrwurzligen Zähnen die Wurzeln in entgegengesetzte Richtungen wachsen, lässt sich ein solcher Zahn nicht im Ganzen entfernen, da sonst die Gefahr besteht, dass eine Wurzel abbricht und im Kiefer verbleibt. Dies kann zu schweren Entzündungen führen. Daher zerteilt man einen mehrwurzligen Zahn, um eine komplette Entfernung des Zahnes mit seinen Wurzeln zu ermöglichen. Einwurzlige Zähne entfernt man in der Regel in einem Stück.

Nach einer Zahnextraktion sollte immer eine Röntgenuntersuchung des Kiefers gemacht werden, um sicher zu gehen, dass der Zahn komplett entfernt wurde.

Füllungstherapie

Füllungen sollen einen dauerhaften, belastungsstabilen und dichten Verschluss des Zahnes gegen die Mundhöhle gewährleisten.

Soll ein Zahn gefüllt werden, muss vorher untersucht werden, ob der Zahn in seiner Grundsubstanz noch vital ist oder er bereits abgestorben ist. Des Weiteren sollte mittels Röntgenaufnahme sichergestellt werden, dass kein Wurzelspitzenabszess vorliegt. Sowohl ein nicht vitaler Zahn als auch ein Zahn mit entzündlichem Wurzelprozess sollten nicht gefüllt, sondern entfernt werden.

Für welche Füllungstechnik man sich entscheidet, hängt davon ab, ob der Wurzelkanal z. B. durch eine Zahnfraktur eröffnet wurde oder ob er noch verschlossen ist. Ist der Kanal eröffnet, muss vor der Füllung eine Wurzelbehandlung vorgenommen werden, in der das Wurzelmaterial entfernt und der Wurzelkanal gefüllt wird. Erst dann erfolgt die Überkappung mittels einer Komposit-Füllung.

Zahnwurzelabszess

Besteht ein Zahnwurzelabszess, der meistens erst bemerkt wird, wenn er nach außen aufbricht, sollte neben der Behandlung des Abszesses die Entfernung des betroffenen Zahnes im Vordergrund stehen. Dies kann natürlich nur am narkotisieren Patienten vorgenommen werden.

Zahnfraktur

Ist am frakturierten Zahn der Wurzelkanal nicht eröffnet, stellt der Bruch kein Problem dar, da der Zahn die Fähigkeit besitzt, nachzuwachsen. Liegt jedoch ein offener Wurzelkanal vor, kann es dadurch zu einer Wurzelentzündung und folgendem Wurzelabszess kommen. Der betroffene Zahn sollte entfernt werden.

Zahnprophylaxe

Selbstbeurteilung

Um Zahnprobleme frühzeitig zu erkennen und diese rechtzeitig behandeln zu können, sollten Sie die Maulhöhle Ihres Tieres regelmäßig kontrollieren und auch geruchliche Veränderungen wahrnehmen. Eine konsequente Kontrolle ist als Prophylaxe zur Gesunderhaltung der Zähne unabdingbar.  

Zähneputzen

Auch unsere Haustiere sollten eigentlich genau wie wir Menschen, täglich ihre Zähne putzen. Sie sind dazu nicht in der Lage, aber es kann in vielen Fällen von ihren Besitzern übernommen werden.

Dazu gewöhnt man sein Tier so früh wie möglich an das Zähneputzen. Wenn möglich, sollte man bereits im Welpenalter damit beginnen. Es ist viel leichter, ein junges Tier an das Zähneputzen zu gewöhnen, als einem älteren Tier beizubringen, das Putzen der Zähne zu dulden. Schaffen Sie für das Zähneputzen ein Umfeld, in dem sich das Tier wohl fühlt, z.B. abends auf dem Sofa oder während des Spieles. Nähern Sie Sich dem Kopf des Tieres am besten von der Seite, nicht direkt von vorn, da sich das Tier sonst bedroht fühlen könnte. Kleine Tiere setzt man am besten auf den Schoß und beruhigt sie mit Streicheln. Benutzen Sie am Anfang keine Zahncreme, um die Irritation des Tieres so gering wie möglich zu halten. Wenn Sie dann später mit Zahncreme putzen, benutzen Sie ausschließlich Zahncreme, die speziell für Tiere hergestellt wird. Als Zahnbürste verwenden Sie spezielle Tierzahnbürsten oder Babyzahnbürsten mit einem kleinen Bürstenkopf. Drücken Sie die Zahncreme tief in die Borsten, damit sie das Tier nicht einfach ablecken kann.

Beginnen Sie das „Training“ mit wenigen Zähnen und steigern Sie die Anzahl von Tag zu Tag. Begonnen werden sollte mit den Backenzähnen, da das Tier das Hochziehen des Nasenspiegels als sehr unangenehm empfindet.

Anfänglich müssen Sie die Maulhöhle Ihres Tieres nicht öffnen. Putzen Sie nur die Außenfläche der Zähne, besonders der Zahnfleischrand. Hat Sich das Tier an das Putzen der Außenfläche gewöhnt, können Sie beginnen, die Maulhöhle sanft zu öffnen und die Kau- bzw. Innenfläche der Zähne zu putzen. Als Putztechnik empfiehlt sich ein Streichen im 45° Winkel vom Zahnfleischrand in Richtung Zahnkrone.

Nach dem Zähneputzen sollte immer eine Belohnung erfolgen, damit das Tier das Putzen mit etwas Positivem verbindet.

Zahnwachs

Nach dem Zähneputzen kann ein spezieller Zahnwachs aufgetragen werden, der ebenfalls vom Tierarzt nach einer professionellen Zahnreinigung auf die Zähne aufgetragen wird. Bei regelmäßiger Anwendung nach dem Putzen kann die Bildung neuer Zahnbeläge herausgezögert werden.

Routinekontrollen beim Tierarzt

Wie wir Menschen sollte auch Ihr Haustier jährlich zur Zahnkontrolle. Diese kann im Rahmen der jährlichen Impfung erfolgen. Stellt der Tierarzt bei dieser Kontrolluntersuchung pathologische Veränderung an den Zähnen finden, kann eine frühzeitige Behandlung einem eventuellen Zahnverlust Ihres Tieres oder schlimmeren Krankheitsprozessen vorbeugen.

Heimtier-Zahnmedizin

Besonderheiten

Heimtierzähne wachsen ein Leben lang. Durch gleichzeitiges Abnutzen während der Futteraufnahme und Abreiben der sich gegenüberstehenden Zahnpaare wächst der Zahn jedoch nur bis zu einer gewissen Länge. Besteht dieser physiologische Abrieb nicht, kommt es zum übermäßigen Längenwachstum des Zahnes.

Die häufigsten Ursachen eines Ungleichgewichtes zwischen Zahnwachstum und -abrieb sind falsches Futter und angeborene Zahnfehlstellungen.

Besteht ein verlängertes Zahnwachstum, führt dies zu einer gestörten Futteraufnahme und somit zum Gewichtsverlust des Tieres. Die verlängerten Zähne können in die Schleimhaut einwachsen und dort zu sehr schmerzhaften Verletzungen führen.

  

Hinweise auf Zahnerkrankung bei Heimtieren

Bei folgenden Symptomen besteht der Verdacht auf eine Zahnerkrankung:

  • Fauliger Geruch aus der Mundhöhle
  • Schlechte Futteraufnahme
  • Gewichtsverlust
  • Schwellung am Kiefer
  • Nasenausfluss
  • Einseitiges Heraustreten eines Auges
  • Speichelfluss
  • Schließunfähigkeit des Kiefers
  • Verlängerung der vorderen Schneidezähne

Sollte Ihnen bei Ihrem Tier eines oder mehrere dieser Symptome auffallen, stellen Sie es bitte unbedingt Ihrem Tierarzt vor.

Fütterungsfehler

Ein Leben lang nachwachsende Zähne bedürfen eines ständigen Abriebes. Dieser erfolgt an den Schneidezähnen durch Zerteilen der Nahrung, an den Backenzähnen durch Zerreiben und Zermahlen des Futters. Zur natürlichen Nahrung der Heimtiere zählen vor allem Grünfutter und Heu, welche den natürlichen Abrieb der Zähne sicherstellen. Besteht der Großteil der Nahrung jedoch aus konventionellem Fertigfutter und weichem Obst und Gemüse, kommt es zu einem verminderten Zahnabrieb und damit zu einem verlängerten Zahnwachstum mit oben genannten Folgen.

Es wird empfohlen, dem Heimtier pro Tag nur einen Esslöffel Fertigfutter zu füttern. Den restlichen Energiebedarf sollte das Tier über Heu, Stroh, Gras und Obst/Gemüse decken.

 

Zahnbehandlung beim Heimtier

Kürzen der Schneidezähne

Bei kooperativen Tieren lassen sich die Schneidezähne auch ohne Sedation (Betäubung) kürzen. Gekürzt werden die Zähne mittels einer Zange oder einer Diamantschleifscheibe.

Kürzen der Backenzähne
Da schon die genaue Beurteilung der Backenzähne eine Sedation des Tieres bedarf, lassen sich diese auch nur am sedierten Tier kürzen. Kleinere Harken am Zahn lassen sich mit einer Zange abknipsen, hochgradige Veränderungen benötigen eine Behandlung mittels Diamantschleifscheibe.
Sowohl das Kürzen der Schneide- als auch das der Backenzähne ist nicht schmerzhaft, eine Sedation wird nur benötigt, um den Patienten ruhig zu stellen!