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Home / Fachabteilungen /  Innere Medizin /  Feline Infektiöse Peritonitis (FIP). 20.02.2019

1. FIP, eine der wichtigsten Infektionskrankheiten der Katze

Beim Erreger der felinen infektiösen Peritonitis (FIPV) handelt es sich um ein Coronavirus mit weltweiter Verbreitung. Virusstämme mit unterschiedlicher Virulenz kommen im Feld vor und verursachen Infektionen die meist asymptomatisch verlaufen. Darminfektionen bei Katzenwelpen können zu Durchfallerkrankungen führen, während systemische Infektionen mit nur noch geringen Tropismus zum Darm die gefürchtete FIP verursachen. Die Mortalität bei FIP ist sehr hoch und erreicht praktisch 100%. Hauskatzen und andere Feliden sind für Coronaviren empfänglich. Coronaviren sind empfindlich gegenüber den meisten Reinigungschemikalien sowie Austrock-nung, nicht jedoch gegen Einfrieren. Es besteht kein antigener Unterschied zwischen primär apathogenen enteralen Coronaviren und den Varianten die FIP verursachen. Dies führt zu einem zentralen diagnostischen Problem, da mittels herkömmlicher polyklonaler Antikörper eine Unterscheidung nicht möglich ist. Die Virusisolierung ist derzeit nur Speziallabors für experi-mentelle Fragestellungen vorbehalten.

2. Pathomechanismen

Die Übertragung kann intrauterin oder postnatal oral erfolgen. Die intrauterine Übertragung bei erkrankten Muttertieren ist erklärbar, da das Virus sich leukozytenassoziiert im Körper verbreitet und so auch auf den Fetus übertragen wird. Bei asymptomatischen Virusträgern ist die intrauterine Übertragung dagegen nicht gesichert. Die Pathogenese ist sehr komplex, wobei einer Fehlleitung des Immunsystem die entscheidene Rolle zukommt.

Experimentelle Untersuchungen lassen sich nicht ohne weiteres auf die Feldbedingungen übertragen. Nach derzeitigen Erkenntnissen verläuft die Infektion unter Feldbedingungen wahrscheinlich folgendermaßen: Das FIPV besiedelt die Darmepithelien (und ggf. auch Epithelien der oberen Atemwege). Es kommt dort zur Replikation, gelegentlich mit geringgradigen Symptomen. In einigen Fällen erlangt das Virus durch Mutation eine Affinität für Monozyten und kann sich so im Körper verbreiten. Ein Krankheitsausbruch hängt nun von einer Vielzahl von Faktoren ab. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zählen hierzu die Virulenz des Coronavirus, das Alter des Tieres, genetische Empfänglichkeit und Immunkompetenz, Anwesenheit von zirkulierenden Antikörpern gegen Coronaviren, Stressoren jeder Art, Glukokortikoide und alle anderen Immunsuppressiva inklusive Infektionen mit dem felinen Immundefizienzvirus und dem felinen Leukosevirus.

Eine systemische Verbreitung des Virus führt also nicht in jedem Fall zur tödlichen Erkrankung. Bei starker zellvermittelter Immunantwort mit Makrophagenaktivierung kann die FIPV-Replikation beendet werden. Fehlt die zelluläre Immunantwort, kommt es trotz Antikörperproduktion zur exsudativen (`feuchten`) Form der FIP. Infizierte Makrophagen akkumulieren besonders um Blutgefäße und im Interstitium der serösen Oberflächen. Die infizierten Zellen exprimieren Antigen und synthetisieren vermehrt Komplement und andere Entzündungsmediatoren. Dies führt zur Aktivierung von Lymphozyten mit entsprechenden systemischen Folgen wie Fieber sowie Antikörperproduktion. Wegen der Beteiligung neutrophiler Granulozyten wer-den die perivaskulären Infiltrate oft als pyogranulo-matös bezeichnet. Wenn infizierte Makrophagen zerfallen, werden freie Viren an Antikörper gebunden und es entstehen Immunkomplexe. Diese aktivieren Komplementfaktoren was zu einer Verstärkung der lokalen Entzündung führt. Die angelockten Entzündungszellen phagozytieren die Immunkomplexe. Dadurch gelangt das Virus erneut in Makrophagen, in denen es sich vermehren kann. Dies führt zu einem Circulus vitiosus der in einer Verbrauchskoagulopathie mit Gefäßschädigung und Übertritt einer proteinreichen Flüssigkeit in Bauch- und/oder Brustraum endet. Falls die zellvermittelte Immunantwort vorhanden ist, jedoch zu schwach oder ineffektiv um die Virusreplikation zu beenden, kommt es zur `trockenen` Form. Diese verläuft mit weniger starker Makrophagenantwort und geringerer Virusproduktion.

3. Ungeklärte Phänomene

Ein ungelöstes Problem stellen asymptomatische Virusträger dar, bei denen eine Virusisolation nicht gelingt, die Infektion jedoch mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nachgewiesen werden kann. Diese Tiere können seronegativ sein (Horzinek 1997, unveröffentlichte Beobachtungen). Seropositive, gesunde Katzen können innerhalb einer seronegativen Versuchsgruppe die FIPV-Infektion auslösen. Eine wichtige Rolle der symp-tomlosen Virusträger bei der Übertragung ist daher wahrscheinlich. Dies wird auch unter Feldbedingungen durch den Umstand belegt, daß Katzen erkranken können, die nie mit FIP erkrankten Tieren Kontakt hatten. Für die Vorstellungen zur Epidemiologie spielt die Mutation harmloser enteraler Coronaviren mit einer Virulenzzunahme eine zentrale Rolle. Es mehren sich die experimentellen Befunde, die dies beweisen; die hohe Mutationsrate von Coronaviren läßt diese Hypothese auch plausibel erscheinen. Ein weiteres Phänomen ergibt sich aus einer derzeit nicht erklärbaren Diskrepanz zwischen experimenteller Infektion und Feldbedingungen. Werden auf spezifisch-pathogen-freie-(SPF) Katzen Antikörper gegen Coronaviren übertragen, so sind diese nicht besser geschützt als Tiere ohne Antikörper sondern erkranken schneller mit rapiderem Verlauf. Dies wird mit der schnelleren Bildung von Immunkomplexen erklärt. Unter Feldbedingungen gelang es aber nicht, bei serologisch positiven Tieren eine höhere Wahrscheinlichkeit der Erkrankung zu belegen. Es wird sogar mit zunehmender Überlebensdauer die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung kleiner, d.h. es scheint sich eine Art Immunität auszubilden. Diese ist aber zellvermittelter Natur und nicht von Antikörpern abhängig. Eine weitere Diskrepanz zwischen Labor- und Feldbedingungen ergibt sich aus der Beziehung von FIP und FeLV-Infektion. Serologisch Coronavirus-negative Katzen wurden experimentell mit FeLV infiziert. Nach einmaligem Kontakt mit einem gesunden Tier aus einem FIP-Bestand erkrankten besonders die latent FeLV infizierten Tiere an FIP, aber auch ein Teil der persistierend an FeLV erkrankten. Die latent FeLV-infizierten Tiere wurden dabei sogar wieder im ELISA FeLV positiv, was für eine Reaktivierung der Infektion sprach. Alle Katzen wurden nach einmaligen Kontakt serologisch Coronavirus-positiv. Dieser Synergismus bei der Infektion mit beiden Viren läßt sich aber in der Feldpopulation nicht bestätigen. Insgesamt konnte eine häufigere Erkrankung mit FIP bei FeLV-positiven Tieren im Vergleich zu negativen Tieren nicht nachgewiesen werden.

4. Klinische Symptomatik

Am häufigsten erkranken Katzen im Alter von 6 Monaten bis zu 5 Jahren. Rassekatzen scheinen stärker betroffen zu sein, eine genetische Disposition ist auch bei exotischen

Feliden ( Geparden ) nachgewiesen worden.

Insgesamt erkranken pro Jahr weniger als 2% der Population, innerhalb betroffener Bestände erkranken selten mehr als 10%, pro Wurf kann es eine Häufung geben.

Nach experimentellen Infektionen kommt es ab dem 2. Tag zur Ausscheidung von Virus aus der Mundhöhle und ab dem 2.-7. Tag mit dem Kot. Die maximale Ausscheidungsdauer ist 15 Tage. Meist liegt ein wochenlanger Verlauf vor, wobei zunächst Inappetenz und Fieber als wichtigste Symptome auftreten. Je nach Organbeteilung können entsprechende Symptome hinzukommen, wie zum Beispiel Ikterus, Anämie, Urämie, ZNS-, Augensymptome sowie Dyspnoe bei Pleuraerguß. Bei ca. 95% der Fälle kommt es zur `feuchten` Verlaufsform. Es liegt dann der pathognomonische eiweißreiche Erguß vor, meist viskös, klar blaß- bis dunkelgelb, teilweise mit Fibrinbeimengungen, welcher schnell gerinnt. Zum Tod kommt es nach 1 bis 12 Wochen Krankheitsdauer.

Ungefähr 70% aller erkrankten Tiere zeigen einen Bauchhöhlenerguß, aber auch Brusthöhlenergüsse und gemischte Formen kommen vor. Bei der `trockenen` Form

findet man pyogranulomatöse Herde in Organen und serösen Häuten. Da diese Form langsamer fortschreitet, sind auch eher die schwerer zugänglichen Organe betroffen wie Augen und ZNS. Der Tod tritt nach 1-6 Monaten ein. Die `feuchte` und `trockene` Verlaufsform der FIP sind nicht als unterschiedliche Erkrankungen zu betrachten, es handelt sich vielmehr um einen Krankheitskomplex, wobei der Ausgang von der Art der Immunreaktion abhängt (humoral: `feucht`; zellulär:`trocken`) und häufiger als exsudative Form diagnostiziert wird. Die Dunkelziffer der Diagnose trockener Formen liegt hoch.

Als wichtigste Differentialdiagnosen für die Körperhöhlenergüsse wären Kardiomyopathie, Chylo- und Pyothorax sowie eine bakterielle Peritonitis zu nennen. Für die pyogranulomatöse Form werden differentialdiagnostisch besonders ein Lymphosarkom, eine Steatitis, eine Mykose oder Toxoplasmose genannt.

5. Labordiagnostik: Möglichkeiten und Probleme

In der späten Phase der Erkrankung ist die klinische Diagnose einer `feuchten` FIP meist unproblematisch. Schwierigkeiten bereitet dagegen die frühe Erkennung. Das rote Blutbild verhält sich zunächst unauffällig, es kommt dann oft zu einer langsam fortschreitenden Anämie. Häufig liegt eine Leukozytose wegen einer Neutrophilie vor. Bei ¾ der Tiere kommt es zu einer erhöhten Plasmaproteinkonzentration. Dies resultiert besonders aus einer Gammaglobulinämie (siehe Grafik) und auch aus erhöhten Fibrinogenwerten.

Andere Parameter können je nach beteiligten Organsystemen verändert sein. Im fortgeschrittenen Stadium der exsudativen Verlaufsform kann es zu einer Verbrauchskoagulopathie mit verlängerten Blutungszeiten kommen. Bei der Aszites- oder Pleuralflüssigkeit handelt es sich um ein Exsudat mit einem spezifischen Gewicht über 1030 g/l, einer Proteinkonzentration über 50 g/l und einem Zellgehalt über 25000 Leukozyten/l.

Elektrophoresediagramme von Katzenseren; oben von einer an FIP-erkrankten Katze, unten unveränderte Werte. Die gamma-Globulinfraktion ist in den Kurven rechts außen zu finden.

Eine Diagnose ist auch anhand der histologischen Untersuchung von Biopten aus Entzündungsherden möglich. Die serologische Untersuchung kann bei richtiger Interpretation eine diagnostische Hilfe bieten. Erkrankte Katzen zeigen oft Titer über 400 im Immunfluoreszenztest. Diese Untersuchung ist bei gesunden Katzen nicht sinnvoll (z.B. im Rahmen einer Bestandsdiagnostik). Erhöhte Titer bei gesunden Tieren haben nämlich keine Aussagekraft, da sie als Folge der Infektion mit einem harmlosen enteralen Coronavirus entstehen können. Über 50% der Katzen in Deutschland sind serologisch Coronavirus-positiv. Auch mittels molekularbiologischer Techniken (PCR) ist die Unterscheidung von avirulentem Coronavirus und FIP-verursachenden Mutanten nicht möglich. Das verschiedene Verhalten der Coronaviren in Makrophagen könnte ein diagnostischer Ansatzpunkt sein. Für die Änderung des Tropismus (Enterozyt > Makrophage) ließen sich Mutationen in zwei Genen des Virus nachweisen.

6. Bekämpfung

Es gelten die allgemeinen Regeln zur Reduktion von Infektionskrankheiten. Dies sind besonders Hygiene und Streßreduktion. Eine Optimierung ist bei der Massierung von Tieren anzustreben wie in Tierarztpraxen, Zuchten und Tierheimen. Die wirksamste Bekämpfungsstrategie ist der Aufbau seronegativer Katzenzuchten, etwa durch die Methode des frühen Absetzens. Von Hand aufgezogene Katzenwelpen können auf diese Weise vor einer Infektion mit dem von der Mutter stammenden Coronavirus behütet werden. Es ist neuerdings auch eine Nasentropfenvakzine erhältlich. Die experimentellen Ergebnisse sind nicht einhellig positiv. Es bleibt das Problem der Diskrepanz von experimentellen Anordnungen und Feldbedingungen; Untersuchungsergebnisse aus einer plazebokontrollierten Feldstudie zeigen einen geringen, wenn auch signifikanten Impfschutz (Plazebo: 7 Krankheitsfälle; Verum: 1 Fall). Weiterhin ist nicht jeder von der Applikationsart (Nasentropfen) bei Katzen überzeugt. Eine uneingeschränkte Empfehlung für einen routinemäßigen Einsatz kann derzeit nicht gegeben werden. Für jüngere serologisch Coronavirus-negative Katzen mit Exposition könnte nach derzeitigem Kenntnisstand eine Impfung sinnvoll sein. Eine Therapie bei einer klinisch manifesten FIP ist nicht bekannt.


7. Zusammenfassung

  • FIP ist eine meist tödlich verlaufende Infektionskrankheit bei Katzen.

  • Die Infektion mit avirulenten oder schwach virulenten Coronavirusstämmen führt zur
    Serokonversion, aber nicht zur Immunität gegen FIP.

  • Antikörpertiter bei gesunden Tieren haben keine klinische Bedeutung.

  • asymptomatische Virusträger spielen die wichtigste Rolle bei der Übertragung.

  • Die Erkrankung ist eine Folge der Entstehung virulenter Mutanten im Einzeltier nach einer starken Vermehrung des residenten Coronavirus, wie sie nach Immunsuppression erfolgt.

  • Die Diagnose wird routinemäßig durch eine Summe mehrerer labordiagnostischer Parameter zusammen mit dem klinischen Bild gestellt.

  • Die Impfung kann bei jungen seronegativen Tieren, die einem Infektionsdruck ausgesetzt sind, sinnvoll sein.


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